Fruchtwasser Entlastungspunktion KSW

Inhaltsverzeichnis

Ziel

Das Fachpersonal der Klinik für Geburtshilfe KSW ist mit der korrekten Vorbereitung der Entlastungspunktion vertraut und begleiten die Frau während des Eingriffs fachgerecht und kompetent im stationären Setting.

Verantwortlichkeiten

  • Hebammen der Gebärabteilung: verantwortlich für die Bereitstellung des Punktionsmaterials sowie die Überwachung der Frau.
  • Ärztinnen und Ärzte: verantwortlich für die Durchführung der Punktion.
  • Anästhesie und Neonatologie (ab 28+0 SSW): über Sectiobereitschaft informiert.

Indikationen

Eine Entlastungspunktion wird bei übermässiger Fruchtwassermenge (Polyhydramnion) zur Linderung zunehmender Beschwerden der Schwangeren durchgeführt.

Für die Amnionreduktion bei Polyhydramnions werden in der Literatur Komplikationsraten im groben Bereich von etwa 3–25% beschrieben, abhängig von Kollektiv, Gestationsalter und Schweregrad des Polyhydramnions. Wobei die höhere Spannbreite meist sehr schwere und oft mit fetalen Fehlbildungen assoziierte Fälle einschliesst.

Ablauf

  • Die Diagnose Polyhydramnion erfolgt mittels Ultraschalls durch eine mind. oberärztliche Person (OAe).
  • Indikationsstellung zur Entlastungspunktion durch OAe in Rücksprache mit leitender / chefärztlicher Person.
  • Die Punktion erfolgt nur bei zwingender Notwendigkeit, da sich das Fruchtwasser in der Regel rasch nachfüllt.
  • Ab 28 0/7 SSW wird der Eingriff in der Gebärabteilung unter Sectiobereitschaft durchgeführt. Dies bedeutet:
    • OP- und Anästhesieteam sind informiert.
    • Der Eingriffsraum der Gebärabteilung B4 ist frei.
  • Die Einlage eines Dauerkatheters wird vorab mit der punktierenden ärztlichen Person besprochen, ist jedoch in der Regel nicht erforderlich.

Risiken

−  Die Punktion kann Kontraktionen auslösen

−  (Früher) vorzeitiger Blasensprung

−  Es besteht die Gefahr einer vorzeitigen Plazentalösung durch die plötzliche Volumenverminderung

Prinzip

Die Frau wurde von ärztlicher Seite über den Eingriff und den Ablauf aufgeklärt. Sie kennt die Wirkung und Nebenwirkungen. Die Patientin wird durch OAe/LAe gefragt, ob die genetische Untersuchung von Fruchtwasser gewünscht ist. Wenn gewünscht, das entsprechende Formular für Genetik ausfüllen.

Unterschriebene Einverständniserklärungen

     Aufklärung bezüglich Fruchtwasser-Entlastungspunktion (Allgemeines Aufklärungsprotokoll)

     Sectio-Aufklärung

     Aufklärungsprotokoll über die Entnahme von Fruchtwasser
     Genetische Abklärungen gewünscht: Anmeldeformular Invasive Pränataldiagnostik

     Anästhesie-Mappe inkl. Anästhesie Aufklärung und Einwilligung / Fragebogen zum Gesundheitszustand

Vorbereitung durch die Hebammen

  Venöser Zugang mit Ringerfundin 1000ml

  T&S abnehmen – Gültigkeit überprüfen

  Messen: Bauchumfang / Fundus / Gewicht

  Spitalnachthemd

  Schwangere im Patientenbett: Oberkörperhochlagerung 30°

  Eintrittskontrolle Vitalzeichen und CTG

  Neugeborenen Erstversorgungsblatt liegt vorausgefüllt bereit

  Dinamap (RR & Puls) vorab und dann alle 5-10 Min. während Durchführung
→ Zusätzlich SpO₂-Überwachung bei Kreislaufinstabilität und/oder Dormicum-Gabe

  Vorbereitung: 1 Amp. Dormicum à 5mg / 5ml, auf ärztliche Verordnung applizieren

  Vorbereitung: Kontinuierliche Gynipraltokolyse (1 Amp. Gynipral à 25mcg/5ml in 100ml NaCl 0.9% mind. 36ml/h max.72ml/h), → Applikation auf ärztliche Verordnung – Steigerung in 12ml/h Schritten

  Sterile Handschuhe in den Grössen der punktierenden und assistierenden Personen bereitlegen

  Falls Genetische Abklärungen gewünscht: Anmeldeformular Invasive Pränataldiagnostik
→ Muss für genetische Abklärung durch Ärzteschaft ausgefüllt und von Eltern unterschrieben werden
→ Hebamme nimmt auf ärztliche Verordnung je 1 EDTA 7.5ml bei der Schwangeren und beim Kindsvater ab

Fruchtwasserreduktions-Box im "PDA Raum" Gebärabteilung auf dem Schrank

 2x grünes steriles "Abdecktuch"

 Punktionsset "PerkuFlow®S"

 Steriler Dreiweghahn

 Sterile Rundtupfer (Gr.4, 1 Pack à 10stk.; Bezug über NF FRK)

 Octenisept ®

 sterile Schale (Mehrweg, Bezug: NF FRK)

 1x Verbindungsschlauch (Extension Line 100cm, Bezug: NF FRK)

 Steriler Wundverband (Medipore TM)

 Steriles Latexfreies Cover und Ultraschallgel für US-Sonde
(Bezug: UZ 14)

 US

Materialien wie folgt durch die Ärzteschaft zu richten

Eventuell vor dem Zimmer

Verbindung zwischen Ablasssack, Perfusorspritze und Kanüle

Durchführung

In der Gebärabteilung B4 durch mind. oberärztliche, sowie assistenzärztliche Person und Hebamme

  Mit Ultraschall die Punktionsstelle bestimmen

  Desinfektion Bauch (Einwirkzeit Octenisept: 120sek.)

  Abdecken OP-Tuch

  Überziehen des US-Kopfes mit dem sterilen latexfreien Cover

  Punktion durch mind. Oberärztliche Person unter Ultraschallsicht, DA / DAe oder Hebamme aspiriert FW mit der angeschlossenen Spritze des Sets, Anschluss Abflusssackes muss an Ablassventil angeschlossen werden vor dem Ablassen des FW

  Die Hebamme leert den Abflusssack nach Bedarf und misst die abgelassene Fruchtwassermenge

  Entfernen der Kanüle durch punktierende Person

  Pflaster auf Einstichstelle

  Dokumentation: assistenzärztliche Person dokumentiert eine kurze Zusammenfassung des Eingriffs als Verlaufseintrag.

Nachsorge

  CTG-Kontrolle mind. 60 Min.

  Dinamap 5-10 Min.

  Messen: Bauchumfang / Fundus / Gewicht

  Maternale BG: Rh neg. à Anti– D Antikörper 300μg (z.B Rhophylac® 300) verabreichen, falls in den letzten 3 Wochen nicht bereits erhalten.

  Tokolyse nach ärztlicher Verordnung

  Falls genetische Abklärungen gewünscht, Formular für invasive Pränataldiagnostik von punktierender Person abschliessend ausfüllen lassen

Versand bei genetischer Abklärung

  Aufklärung und Laborauftrag mit Pat. Etiketten versehen und den Laborauftrag kopieren

  Kopie vom Laborauftrag und Amniozenteseaufklärung zum scannen

(Darauf achten, dass alles korrekt ausgefüllt und von ärztlicher Person sowie Patientin unterschrieben ist)

  Original-Laborauftragszettel und Amniozenteseröhrli (in der Apotheke im Gyn. Ambulatorium, Haus A (41-04-604) über dem Lavabo im Schrank versorgt – Röhrli mit schwarzem Deckel, Transportbehälter, Couvert von dort mitnehmen) im Transportbehälter in das weiss angeschriebene Couvert, braun wie auf Foto ist auch möglich, darauf achten, dass das Röhrli gut verschlossen ist.

  Falls Blut bei Patientin / Kindsvater abgenommen wurde (Für Kindsvater einen Gyn-Fall eröffnen, auch über Empfang möglich, und Verlaufseintrag "Blutentnahme für Genetik ZH") - Ablauf wie folgt:

  Je ein EDTA-Röhrli 7.5ml mit entsprechender Patientenetikette versehen, ebenfalls im Couvert mitsenden

  vor 15.00: 1 Pat. Etikette mit KST: 6550 versehen und diese mit der braunen Verpackung zum Portier (Information) bringen

⇒ Nur eine Ecke ankleben – nicht ganze Etikette ankleben

Nach 15.00 Uhr:

  Blut ad Kühlschrank UZ 16 in Box "BE Amnio und Chorio"
  Post-it mit: "Datum nächster Tag – ab 08.00 zum Portier bringen"
  Mail an Pflege: FRK-Pflegesprechstunden SSZ → pflegesprechstundenSSZ@ksw.ch
 Eintrag in die Pflegespur:

 

Abrechnung (nur falls ambulant)

IBI-Care → B-FK-Schwangerschaft Sprechstundenzentrum à weitere SS-Untersuchungen à Amniozentese inkl Konsultation

Falls BE beim Kindsvater – ebenfalls im IBI-Care abrechnen

Wartung

Die zuständige Hebamme überprüft die Fruchtwasserreduktions-Box auf Vollständigkeit, ergänzt fehlendes Material und kontrolliert die Ablaufdaten. Anschliessend wird die Box mit einer Twiggy-Seal-Plombe versehen und mit einem Datumsvermerk verschlossen. Die Überprüfung der Haltbarkeitsdaten erfolgt monatlich durch die Hebammen. Sobald nur noch ein Punktionsset PerkuFlow® S verfügbar ist, wird die Nachbestellung an die Logistikerinnen der Gebärabteilung weitergeleitet.

Literatur / Grundlagen

Leung, W. C., Jouannic, J.-M., Hyett, J., Rodeck, C., & Jauniaux, E. (2004). Procedure-related complications of rapid amniodrainage in the treatment of polyhydramnios. Ultrasound in Obstetrics & Gynecology, 23(2), 154–158. https://doi.org/10.1002/uog.972

Laoreti, A., Sala, V., Casati, D., Faiola, S., Spaccini, L., Cetin, I., & Lanna, M. M. (2024). Amnioreduction for polyhydramnios in a consecutive series at a single center: Indications, risks and perinatal outcomes. Children, 11(4), 502. https://doi.org/10.3390/children11040502

Zimmermann, R. (2018). Handbuch Geburtshilfe. Zürich. Kapitel 4.7.3

Autorenschaft: K. Passerini, Hebammenexpertin Gebärabteilung
Genehmigt: R. Brun
KSW Version: 1.0, 09/2026