Uterusmyom-Embolisation Uterine artery embolization (UAE)

Inhaltsverzeichnis

Begriffe

IR – Interventionelle Radiologie

UAE – uterine artery embolization

Einleitung

Die UAE ist eine Alternative zur operativen Myomenukleation bei entsprechend aufgeklärten Frauen mit dem Wunsch nach Uteruserhalt oder eingeschränkter Operabilität [1].

Indikation

Optimale Kandidatinnen für eine UAE:

  • Menorrhagie mit klinisch relevanter Eisenmangelanämie / Dysmenorrhoe als führendes Symptom
  • Prämenopausal
  • Abgeschlossener Kinderwunsch
    Dieser Punkt ist umstritten, da auch jede alternative Myomtherapie diesbezügliche Risiken hat. Zudem sind Einzelfälle mit problemlosen Schwangerschaften und Geburten mit gesunden Kindern publiziert [2].
  • Alternative zur chirurgischen Therapie bei Patientinnen mit symptomatischem Uterus myomatosus mit Wunsch nach Organerhalt

Absolute Kontraindikationen

  • V. a. maligne Neoplasie des Uterus (insbesondere postmenopausal wachsendes Myom)
  • Schwangerschaft
  • akuter Genitalinfekt/ pelvic inflammatory disease (PID)

Relative Kontraindikationen

  • isoliertes submuköses Myom (FIGO Typ 0 und 1)
  • isoliertes subseröses gestieltes Myom (FIGO Typ 7)
  • Zervixmyom oder Myom im Ligamentum latum
  • Vorbehandlung mit GnRH-Analoga in den letzte 3 Monaten
  • Konstrastmittelallergie
  • Niereninsuffizienz
  • Hyperthyreose

Nicht abgeschlossener Kinderwunsch

Aktueller Therapiestandard bei Frauen mit Kinderwunsch zur Behandlung von symptomatischen Myomen ist die operative, in der Regel minimal-invasive Myomenukleation, sofern dies möglich ist.
Vor einer Hysterektomie  soll unbedingt eine UAE versucht werden. Es liegen weiterhin nur wenige prospektive Studien vor, deren Ergebnisse mit der erforderlichen Evidenz eine Aussage über den Einfluss der UAE-Therapie auf die Fertilitätsrate und den Schwangerschaftsausgang bzw. den Erhalt der ovariellen Reserve zulassen [3].

Nebenwirkungen und Komplikationen

Potentielle post-interventionelle Nebenwirkungen:

  • Unterbauchschmerzen: Häufig aber auf 7-10 Tage beschhränkt
  • Erbrechen und Übelkeit: Seit der Anwendung des Sakralen Block und der daraus resultierenden starken Reduktion der Opiate selten
  • Post-Embolisations-Syndrom: Schmerzen, Fieber ohne Schüttelfrost, Leukozytose – selbstlimitierend (ca. 25%)

Potentielle Komplikationen:

  • Ovarialinsuffizienz: Ab 40 Jahren ca. 5%, fast alle beschriebenen Fälle ereigneten sich bei Frauen älter als 45 Jahre.
    Bei jüngeren Frauen (<40 Jahre) sehr selten.

Vorgehen

Alle potentiellen Kandidatinnen für eine Myomembolisation sollen prä-interventionell von einem interventionellen Radiologen und einem Gynäkologen gesehen, untersucht und beraten werden. Ferner muss bei allen Patientinnen ein MRI des Beckes vorliegen. Die Aufklärung erfolgt über die interventionelle Radiologie. Klinische Anamnese (Fokus auf Schmerz-/ Druck-/ Blutungssymptomatik), eine transvaginale Sonographie (Größe des Uterus, Größe und Lokalisation der Myome, FIGO Klassifikation der Myome (Abbildung 1, Tabelle 1).

Die Myomembolisation erfolgt über einen Katheter der in der Regel über die A. femoralis com. eingeführt wird. Nach dem Platzieren des Katheters in die A. uterina werden Partikel zwischen 300-900um Grösse in die Arterie injiziert. Es werden soviele Partikel gespritzt bis die arterielle Versorgung der Myome gestoppt ist.

Durch die Infarzierung der Myome kommt es zu Schmerzen. Um diese möglichst zu minimieren wird während der Intervention eine Blockade des Plexus hypogastricus superior durchgeführt. Zudem sollen nicht-steriodale Antiphlogistika helfen die Entzündungsreaktion zu minimieren. Mit diesen Massnahmen können extreme Schmerzen in der Regel verhindert werden. Zudem wird mit diesem Regime die Gabe von Opiaten deutlich reduziert, was sich in einer Reduktion von Nausea und Erbrechen äussert [4].

Wegen der Punktionsstelle in die A. femoralis wird ein Druckverband für 4h angelegt.
In der Regel können die Patientinnen am Folgetag das Spital verlassen unter oraler Schmerzmedikation. Manchmal ist eine zweite Nacht nötig.

Neben den Schmerzmedikamenten erhalten die Patientinnen eine Einmaldosis Antibiotika vor dem Eingriff und am Abend der Intervention einmal eine prophylaktische Dosis niedermolekulares Heparin sc.

Literatur

[1] Parker.E.L et.al. Ludwig, P.E. et al. Pregnancy success and outcomes after uterine fibroid embolization: updated review of published literature. Br J Radiol. 2020 Jan;93(1105):20190551. doi: 10.1259/bjr.20190551. Epub 2019 Oct 8.

[2] Sheik G.T. et. al. Angiographic detection of utero-ovarian anastomosis and influence on ovarian function afteruterine artery embolization. Cardiovasc Intervent Radiol. 2020 Feb;43(2):231-237. doi: 10.1007/s00270-019-02305-7.Epub 2019 Sep 17.

[3] Pisco J.M. et. al. Spontaneous pregnancy with a live birth after conventional and partial uterine fibroid embolization. Radiology. 2017 Oct;285(1):302-310. doi: 10.1148/radiol.2017161495. Epub 2017 Jun 13.

[4] Binkert C. et al. Superior hypogastric nerve block to reduce pain after uterine artery embolization: Advanced technique and comparison to epidural anesthesia. Cardiovasc Intervent Radiol. 2015 Oct;38(5):1157-61. doi: 10.10007/s00270-015-1118-z. Epib 2015 May 15.

DGGG Leitlinie (2015) Indikation und Methodik der Hysterektomie bei benignen Erkrankungen

Video: https://vimeo.com/397192633

Autor: Ch. Brambs,  Lopez-Benitez, A. Studer
Überarbeitet: D. Hagen, C. Binkert
KSW Version: 1.0, 12/2021